Ordo Virtutum - Singspiel nach Hildegard von Bingen

ORDO VIRTUTUM - Der Reigen der Gotteskräfte

Text und Musik von Hildegard von Bingen, dargeboten vom Vokalensemble Amoris Fontana

Im Mittelpunkt des über 800 Jahre alten Stückes von Hildegard von Bingen steht eine moderne Auffassung des Menschen: Da der Mensch Gottes Abbild ist, wirken in seiner Seele von Anfang an Gotteskräfte (lateinisch: «virtutes»), die unzerstörbar sind. Denn als Gottesgeschöpf ist er aufgebaut. Auf die Erde geworfen, lässt sich der Mensch jedoch verführen und verstrickt sich in die Geschäftigkeit der Welt. Der Teufel zieht jegliches Gottesbewusstsein in Zweifel und nimmt die Seele mit sich. Da werden die Gotteskräfte Demut, Liebe, Glaube, Hoffnung, Ehrfurcht sowie Barmherzigkeit, Weltverachtung, Liebe zum Himmlischen, Keuschheit und Disziplin wirksam. Die Seele gewinnt ein neues Bewusstsein und erspürt den «ewigen Hauch Gottes» in sich.

Hildegard von Bingen schuf dieses Spiel wahrscheinlich zur Einweihung ihres Klosters, das sie um 1150 am Rupertsberg, in der Nähe ihres Heimatortes Bingen am Rhein, gegründet hatte. Das Werk ist das früheste bekannte liturgische Moral-Spiel. Es ist im Rupertsberger Kodex überliefert. Die Uraufführung wurde vermutlich von den am Rupertberg lebenden Nonnen selbst gesungen. Die einzige Sprechrolle, die des Teufels, spielte ein Mönch, der als Priester, Beichtvater und Sekretär der Äbtissin Hildegard zur Seite stand.

Das Werk gilt als erstes geistliches Musikdrama und besticht durch die Originalität von Text und Musik. Als Autorin und Komponistin zeigt sie sich als wahre Seelenkennerin: «Ich will doch nur genießen» meint die
Seele ... und schon zieht der Teufel sie in seinen Bann. Augenblicklich verliert sie die Verbindung zum Göttlichen in sich. Damit eröffnet Hildegard, in diesem sehr modern anmutenden Stück, die Perspektive
auf eine völlig überraschende Innensicht des Menschen: Schillernd wie ein Regenbogen erscheinen, da sie herausgefordert wurden, die personifizierten Gotteskräfte und nehmen wie ein wunderbares Naturereignis
ihren ureigensten Platz ein. Die Seele erkennt ihre wahre Beschaffenheit und macht sich auf den Rückweg zu Gott.

Hildegard als Figur und ihr Text wurden ebenso wie der Prolog des Teufels dem Stück hinzugefügt. Die Texte der Hildegard entstammen Briefen und Schriften der Heiligen. Die Instrumental-Improvisationen
verarbeiten melodische Motive des Originals und dienen der Überleitung und der Untermalung des Geschehens. Während im Original nur der Teufel eine Sprechstimme hat, werden manche Textstellen von den
Mitwirkenden in direkter Rede gesprochen, um der Handlung mehr Klarheit zu verleihen. Die Originalsprache ist Latein, das von Hildegard sehr bildhaft verwendet wurde.

Das Stück wurde vom Vokalensemble Amoris Fontana, anlässlich des Festivals «Recreate St. Margareta 2008», als Mysterienspiel bearbeitet und wiederaufgeführt. Mittelalterliche Choräle, untermalt von Instrumental-Improvisationen am Saxophon, ergänzen einander in einer zeitgemäßen Inszenierung im Sakralraum.


Aufführungstermine:

24.05.2010 (Pfingstmontag) - 18.00 Uhr - in der Basilika Mondsee

Eintritt: 12 € / 8 € ermäßigt (Kinder/Studenten/Senioren)


Kontakt: Amoris Fontana / Eva Kempf - +43 (0)2858 85144 - Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. - www.amoris-fontana.at